Eine Fotoportraitserie im Wiener Stadtraum
Das 12. Rollenportrait „Ida Pfeiffer“ zum Monat der Fotografie November 2010 im InterContinental Wien
Ort: InterContinental Wien, Johannesgasse 28
Laufzeit: 3. November bis Jahresende 2010
Courtesy: Artware, Wien
Im Rahmen seines kuratierten Kunstprogrammes pflegt das Hotel InterContinental Wien 2010 den Schwerpunkt »Wiener Frauen im Hotel«. Und zum Monat der Fotografie präsentiert das Haus das zwölfte Motiv aus Irene Andessners 2008 realisierter Stadtaktion »Citylights [Wiener Frauen«].
Das zwölfte Rollenportrait ist im Sommer 2010 in einer Performance auf dem Dach des Naturhistorischen Museums (NHM) entstanden. Es lenkt den Blick auf Ida Pfeiffer, die von ihren Forschungsreisen Mitte des 18. Jds. exotische Pflanzen, Insekten, Reptilien, Affen und Ethnologika mitgebracht hat, die sich zum Teil in der Sammlung des NHM befinden. Es ist ein künstlerischer Nachtrag in der Reihe von 34 überlebensgroßen Statuen von durchwegs männlichen Forschern auf den Dachbalustraden des NHM.
Mit einer Einführung von Raimund Deininger wird Irene Andessners Rollenportrait am 3. November 2010 im Foyer des InterContinental Hotels am Heumarkt als drei mal vier Meter große Ausarbeitung enthüllt. Und es gibt Führungen in die VIP-Etage, in der dann erstmals komplett alle zwölf Rollenportraits von Irene Andessners „Wiener Frauen“ ausgestellt sind (Termine auf Anfrage bei Artware oder im Hotel).
Vor dem Hotel ist „Ida Pfeiffer“ in den vier Wochen des Monats der Fotografie auch in Form eines Citylight-Doppelplakates zu sehen.
Rückblick Sommer 2008
Im Sommer 2008 realisiert Irene Andessner in Wien eine stadtweite Plakatierung in 400 Citylight-Kästen mit inszenierten Fotoportraits. Als Motive für ihre Portraitserie wählte die Wiener Foto- und Performancekünstlerin verdienstvolle, legendäre und auch fast vergessene Wiener Frauenpersönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die sie darstellerisch nachempfand und bildnerisch interpretierte, um sie auf ihre Weise »wiederzuveröffentlichen«:
Marianne Hainisch, Bertha von Suttner, Katharina Schratt, Bertha Pappenheim, Alice Schalek, Emilie Flöge, Lise Meitner, Gina Kaus, Margarete Schütte-Lihotzky, Irene Harand, Hedy Lamarr
Das zwischen Historie und zeitgenössischer Kunst changierende Projekt wird in einer Vortragsreihe von Historikerinnen und Kunstkuratoren im KUNSTHALLE wien project space karlsplatz begleitet. Zum Rahmenprogramm gehören auch Stadtrundgänge zu den ehemaligen Adressen der Protagonistinnen und diese Homepage www.wienerfrauen.at mit allen Fotoporträts und Lebensgeschichten.
Zur Eröffnung am 3. Juli 2008 um 19.00 Uhr im KUNSTHALLE wien project space karlsplatz, Wien 4, Treitlstraße 2, sprechen:
Sandra Frauenberger, Frauenstadträtin; Gerald Matt, Geschäftsführer KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien; Karl Javurek, Generaldirektor Gewista
Das Projekt wird gefördert von: Medienpartner:
Dank an die Motivförderer und Ausstatter:
Thematische Grundidee: Wiener Frauen-Hommage
Das Verdienst von Frauen in Hommagen thematisieren, ihre historischen Glanzleistungen inhaltlich kommunizieren und bildnerisch erstrahlen lassen. Porträtieren von wichtigen/interessanten Frauen mit außergewöhnlichen Lebensläufen bzw. Vorreiterrollen, die in Wien gelebt haben. Legendäre Wienerinnen aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Rahmen eines Kunstprojektes im Stadtraum ins öffentliche Bewusstsein bringen, diese aus Archiven, Chroniken und Feuilletons herausholen und außerhalb der musealen Räume in einer Art Straßengalerie der Bevölkerung in Erinnerung rufen bzw. Wiederentdeckungsimpulse generieren. Das Werbemedium der »Gewista-Citylights« in den Dienst dieser Erinnerung stellen.
Die dargestellten Protagonistinnen
Bei ihrer Auswahl für ihre Nachinszenierungen geht es Irene Andessner um Frauen, die wissenschaftsgeschichtlich, sozialhistorisch und kulturell initiativ und erfolgreich wirkten – mit existenziell und kulturell positiven Aus- und Nachwirkungen bis ins Heute: Frauen, die für Frauen Gymnasiums- und Hochschulzugang sowie akademische Berufe und das Frauenwahlrecht durchgesetzt haben; Forscherinnen und Erfinderinnen, die Wissenschaftsgebiete mitbegründet und Grundlagen für moderne Technologien geschaffen haben; Frauen, die Nobelpreis bekommen und andere, die ihn zugunsten ihrer männlichen Forschungspartner nicht bekommen haben, Dichtermusen, die in Stücken von Musil, Schnitzler oder Werfel als literarische Figuren fortleben, und Frauen, die selbst Literatur und Zeitgeschichte geschrieben haben.
Entsprechend den gesellschaftlichen und sozialpolitischen Umbrüchen, die meistens von engagierten Frauen ausgehen, fällt die Wahl der Protagonistinnen in deren Wirkungsperiode zwischen Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts. Es sind Frauen der zwischen 1839 und 1914 geborenen Generationen, deren Lebensgeschichten ideologisch, manchmal auch real ineinandergreifen, was ihr Engagement für die Frauenrechte, gegen den Faschismus, für die Friedensbewegung betrifft. So arbeitete etwa Marianne Hainisch mit Bertha von Suttner in der Friedensbewegung zusammen.
In Andessners Porträtgalerie der vorbildlichen Wienerinnen gibt es Entdeckungen zu machen – darunter Irene Harand, die sich 1935 mit ihrem Buch »Sein Kampf – Antwort an Hitler« als einzige Frau öffentlich und konfrontativ Hitlers »Mein Kampf« widersetzt hat (was die Nationalsozialisten mit einem Kopfgeld von 100.000 Reichsmark quittiert haben) – oder die nur für ihre »Frankfurter Küche« bekannte Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, die den Nazis so gefährlich war, dass sie sie 1941 vom »Volksgerichtshof« zum Tode verurteilen ließen.
Die meisten der Wienerinnen haben – aufgrund ihrer Konfession bzw. ihrer politischen Haltung – viele Jahre im Ausland gelebt und gewirkt. Drei der Vorgestellten haben dort zu bahnbrechnenden Entdeckungen und Erfindungen beigetragen (Meitner, Schütte-Lihotzky, Lamarr). Und Sigmund Freud bezeichnet Bertha Pappenheim (seine »Anna O.«) als die »eigentliche Begründerin des psychoanalytischen Verfahrens [nach der Katharsis-Theorie]«, weil diese die Therapie des Aussprechens zur Entlastung der Seele bewusst reflektiert hat.
Acht Frauen arbeiteten journalistisch und publizistisch, um ihre Überzeugungen zu verbreiten – die Hälfte von ihnen unter männlichen Pseudonymen. Bertha von Suttner hat unter dem Namen »Jemand« im Feuilleton das Vorurteil widerlegt, dass es eine spezifische weibliche Art zu schreiben und zu denken gäbe. Gina Kaus zählte (neben Harand) zu den »verbrannten Dichterinnen«. Die Reporterin Alice Schalek konnte ihrer Gefangennahme durch die Nazis wegen »Gräuelprobaganda« (Faschingszug-Fotografien aus Palästina) noch entfliehen; nur eine Häme von Karl Kraus stempelt die erste Kriegsreporterin bis heute als »Kriegsweib« ab; Kulturwissenschaflterinnen wie Elke Krasny oder Historikerinnen wie Brigitte Hamann halten da vergeblich dagegen (Hamann hält Schaleks Reportagen aus dem Ersten Weltkrieg für »die besten Kriegsreportagen, die ich je gelesen habe«).
»Es ist erst kurze Zeit her, dass die Frauen zu den Problemen der Realität zugelassen sind. Bis dahin waren sie einerseits selbst Teil der Realität, andererseits Fiktion des Mannes«. (Gina Kaus, 1929)
Bildnerisches Grundkonzept: Die Ausstrahlungskraft leuchtender Vorbilder
Produktion einer Porträtreihe nach historisch-authentischen, in der Regel fotografischen Porträts.
Eine zeitgenössische bildnerische Würdigung von Vorbildern in Form von Nachbildern: historische Porträts mit den Mitteln unserer Zeit ins Heute übersetzen – mit den Stilmitteln und der Technik von heute. Schwarzweiß-Kabinettfotos mit Lichtdesign in farbige Großformate transponieren. Das Wesen und den Charakter der Protagonistinnen durch Nachspüren der Lebensgeschichten in Porträtsitzungen zum Ausdruck bringen und ihr Charisma in Lichtbildkästen aufleuchten lassen – im öffentlichen Raum.
Straßengalerie
