Irene Andessner – Citylights [Wiener Frauen]     03.07.-03.09.2008
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Alice Therese Emma Schalek

* 21.8.1874 Wien, † 6.11.1956 New York

Pseud.: Paul Michaely. Fotografin, Reisejournalistin, erste weibliche Kriegsberichterstatterin

Als Kind des Annoncen-Agenturbetreibers Heinrich Schalek besucht Alice Schalek das Lyzeum des Wiener Frauenerwerbsvereins und lernt mehrere Fremdsprachen. Schon früh interessiert sie sich für andere Länder. 1902 veröffentlichte sie unter dem männlichen Pseudonym Paul Michaely den Roman »Wann wird es tagen?«. 1903 fängt sie als Journalistin im Feuilleton der Neuen Freien Presse in Wien an, für die sie insgesamt über 30 Jahre lang tätig sein wird. Ein Jahr später konvertiert sie vom jüdischen zum protestantischen Glauben. 

Reisen nach Nordafrika, nach Ägypten und Kleinasien (1905 und 1909) stehen am Beginn ihrer Karriere als Reisejournalistin. Alice Schalek wird als erste Frau in den Presseclub Concordia aufgenommen, ist Vorstandsmitglied des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien und des PEN-Clubs. 1914 gehört sie zu den Gründern der Wohltätigkeitsorganisation »Schwarz-Gelbes Kreuz«. 1915 berichtet sie – als erste weibliche Kriegsberichterstatterin – über die Kämpfe in den Dolomiten, über den Serbienfeldzug und die Isonzofront. Ihre Fotoberichte erscheinen heroisch und patriotisch. Die k.u.k. Monarchie zeichnet sie dafür 1917 mit dem »Goldenen Verdienstkreuz mit Krone am Band der Tapferkeitsmedaille« aus – eine ungewöhnliche Auszeichnung für eine Frau. Karl Kraus – der Medizin-Studentinnen  als Hysterikerinnen abstempelt – wirft »Frl. Schalek« in seiner »Fackel« Kriegsverherrlichung vor und setzt ihr in »Letzte Tage der Menschheit« ein Negativdenkmal – Schaleks Beleidigungsklage gegen Kraus wird nach Einspruch desselben kostenpflichtig zu Lasten der Klägerin ­zurückgewiesen und eingestellt. 

Nach dem Ersten Weltkrieg macht sie Reisereportagen aus Nord- und Südamerika, Afrika und abermals Asien. In den Dreißigerjahren bereist sie Syrien, den Irak und Iran und dokumentiert das Leben in den Kibbuzim in Palästina. Zwischen ihren Reisen wohnt sie – mit dem Telefonanschluss A-17-2-56 – am Schottenring 15. Zu ihrem 60. Geburtstag (1934) würdigt das Neue Wiener Tagblatt Schalek als »die erste österreichische Weltreisende, die ihre Reisen als Beruf durchführte« und die »die Technik des Weltreisens mit der Beherrschung des Schreibens für Zeitungen, des Photographierens und Vortragens vereinte«. 1939 wird sie wegen Bildern von einem Faschingszug in ­Palästina und »Gräuelpropaganda« von den Nazis verhaftet, kann jedoch in die Schweiz fliehen und über London nach New York emigrieren, wo sie sehr zurückgezogen lebt. 

Der Lebenssituation außereuropäischer Frauen gilt Schaleks Hauptinteresse. Während ihre frühen Frauenporträts von ­indischen Tempel­dienerinnen, japanischen Geishas oder orientalischen Tänzerinnen noch auf Exotik setzen, so kommen ihre dokumentarischen Frauenbilder in den Zwanzigerjahren ohne folkloristisches Beiwerk aus. Oft gehen der Fotografie intensive Gespräche und freundschaftliche Beziehungen voraus. Auf ihr Engagement in der internationalen Frauenbewegung verweisen zahlreiche Aufnahmen von politisch ­organisierten Frauen. Von der Stellung der Frau in außereuropäischen Ländern berichtet Schalek in zahlreichen (ca. 500) Lichtbildervorträgen – bis 1939 oftmals in der Wiener Urania. Neben ihren Novellen und Romanen hinterlässt Alice Schalek rund 6000 ­Fotografien sowie viele Reisebücher und -berichte aus allen Kontinenten. 

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