Bertha von Suttner
* 9.6.1843 Prag, † 21.6.1914 Wiengeborene Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau, Pseudonyme: B. Oulot, Jemand. Schriftstellerin, Pazifistin, Friedensnobelpreisträgerin.
Vater Franz Michael Graf Kinsky stirbt schon vor Berthas Geburt. Mutter Sophie Wilhelmine verspielt das geerbte Vermögen im Glücksspiel. Bertha lernt mehrere Sprachen, beschäftigt sich mit Musik, reist viel. Mit 18 nimmt sie den Heiratsantrag des 56-jährigen Gustav Heine (einem jüngeren Bruder Heinrich Heines) an und löst die Verbindung kurz vor dem Hochzeitstermin. Als Dreißigjährige nimmt sie eine Stelle als Gouvernante und Hauslehrerin der vier Töchter des Industriellen Freiherr Karl von Suttner in Wien (Canovagasse) an, verliebt sich in den jüngsten seiner Söhne, Arthur Gundaccar, den sie später gegen den Willen seiner Eltern heiratet. Fristlos entlassen, reist sie 1876 nach Paris, wo sie als Sekretärin für Alfred Nobel arbeitet. Zwei Wochen kurz, aber nachhaltig ist dieses Engagement, denn der Dynamit-Erfinder Nobel macht sie mit der in London gegründeten Friedensbewegung bekannt, für die sie ab nun kämpft.
Ihren Lebensunterhalt finanziert Bertha von Suttner mit Magazin- und Zeitungsartikeln. 1898/99 beweist sie mit ihrem Buch »Das Maschinenzeitalter« (das sie unter dem Pseudonym »Jemand« herausbringt), dass es keine spezifische weibliche Art zu schreiben und zu denken gibt, denn keiner der Kritiker hat das Geschlecht des Autors erraten. 1889 erscheint ihr Roman »Die Waffen nieder«. Zwei Jahre später gründet Bertha von Suttner die Österreichische Friedensbewegung, hält Vorträge für den Frieden in den wichtigsten Städten Europas und der USA, organisiert Kongresse; 1892 propagiert sie auf dem vierten Weltfriedenskongress in Bern die Gründung eines Europäischen Staatenbundes. Zur Jahrhundertwende wird sie neben Königin Luise, Queen Victoria und George Sand in einer öffentlichen Umfrage zu einer der bedeutendsten Frauen des Jahrhunderts gewählt.
In seinem Testament verfügt Alfred Nobel – von seiner ehemaligen Sekretärin inspiriert – einen Preis für »denjenigen oder diejenige« zu stiften, »der oder die am meisten und besten für die Verbrüderung der Völker, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen gewirkt« hat. 1905 erhält Bertha von Suttner diesen Preis. Während der Vorbereitungen zu einem Weltfriedenskongress, den sie im August 1914 in Wien einberufen will, sechs Wochen vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, stirbt die Firedensnobelpreisträgerin. »Nach lieben ist helfen das schönste Zeitwort der Welt«, schreibt sie in ihren Epigrammen. Sie wohnt bis zu ihrem Tod in der Wiener Innenstadt, Zedlitzgasse 7.
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