Hedy Lamarr
* 9.11.1914 Wien – † 19.01.2000 Altamonte Springs, FloridaFilmschauspielerin und Miterfinderin des Frequenzsprungverfahrens.
Eva Marias Vater Emil Kiesler ist Direktor im Wiener Creditanstalt Bankverein, ihre ungarische Mutter Gertrud Lichtwitz Konzertpianistin – eine jüdisches Elternhaus in Döbling (Osterleitengasse 2b/2/8). 1931 besucht sie das Max-Reinhardt-Seminar in Berlin. Dann geht sie als Script-Girl in die Sascha Filmateliers in Sievering.
Auf erste kleinere Filmauftritte folgt 1931 die erste größere Rolle in »Man braucht kein Geld«. 1932 dreht sie knapp 18-jährig die erste Nacktszene der Filmgeschichte in dem Film »Ekstase«, der 1933 gegen den Protest von Papst Pius XI. auf der Biennale in Venedig erfolgreich aufgeführt wird und in den USA nur zensuriert läuft. Ihre erste eigene Meldeadresse lautet Wien-Döbling, Peter-Jordan-Straße 12/2.
1933 tritt Eva Maria in der Operette »Sissy« im Theater an der Wien auf. Im selben Jahr heiratet sie in der Wiener Karlskirche den Wiener Rüstungsindustriellen Fritz Mandl (Hirtenberger Patronenfabrik), der von ihr verlangt hat, dass sie vom jüdischen zum katholischen Glauben übertritt, aber vergeblich versucht, alle »Ekstase«-Filmkopien aufzukaufen. Am gemeinsamen Wohnsitz, dem Schloss Schwarzenau in Niederösterreich, verkehrt Prominenz wie Ödön von Horváth oder das Ehepaar Franz und Alma Werfel. 1936 hat Eva Maria eine Romanze mit dem österreichischen Vizekanzler, Prinz Ferdinand von Starhemberg.
1937 flüchtet sie aus der ehelichen Stadtwohnung am Schwarzenbergplatz 15 über Paris nach London, wo sie MGM-Boss Louis B. Mayer entdeckt und unter dem Künstlernamen Hedy Lamarr (nach dem Stummfilmstar Barbara La Marr) für Hollywood verpflichtet. Die New York Daily News kürt Hedy Lamarr zur »schönsten Frau des Jahrhunderts« (1937). Hedys Hollywood-Debüt ist ein Film (»I Take This Woman«), für den MGM anfangs den Marlene-Dietrich-Regisseur Josef von Sternberg engagiert. Von ihren über 30 Filmen wird »Samson & Delilah« der erfolgreichste (1949) und ihr letzter Film heißt »The Female Animal« (1957). Als Schönste stellt sie sich für Promotions von Parfums, Make-up, Soda-Drinks und Zigaretten zur Verfügung. 1940 erschafft Bob Kane nach ihrem Vorbild die Comic-Figur der Catwoman; über vier Jahrzehnte später trägt die von Sean Young verkörperte Figur der Rachel in Ridley Scotts »Blade Runner« (1982) ihre Züge. 1966 dreht Andy Warhol mit ihr den Untergrundfilm »Hedy«. 1984 überrascht Lamarr als Songwriterin für den Sänger Chris Taaj. »I did what I did for love. The others did it for money«, sagt sie. Anfang der 1990er Jahre benutzt der Softwarekonzern Corel ein digitalisiertes Lamarr-Porträt auf dem Packungscover für die Grafiksoftware »Corel Draw 8« (sie klagt und erhält drei Mio. US-Dollar).
Hedy Lamarr, ab 1953 amerikanische Staatsbürgerin, heiratet insgesamt sechsmal und hat drei Kinder. 1941 entwickelt sie mit dem Komponisten George Antheil das »Frequency Hopping« (Frequenzsprungverfahren); das 1942 zur abhörsicheren Kommunikation und zur Aufklärung patentierte System kommt ab Ende der 1980er Jahre auch der zivilen Nutzung zugute – für das GSM-Mobiltelefonieren sowie bei allen Formen der drahtlosen Kommunikation und digitalen Funktechnologien wie Bluetooth und WLAN. Für diese Erfindung erhält Lamarr ab 1997 mehrere amerikanische Auszeichnungen sowie 1998 die »Viktor-Kaplan-Medaille« des Österreichischen Patentinhaber- und Erfinderverbandes. Seit 2006 gibt es den »Hedy Lamarr Preis – Österreichischer Preis für besondere Leistungen von Frauen im Bereich der Nachrichtentechnik«. Im Sommer 2005 streuen Ihre Kinder Anthony und Denise ihre Asche über den Wienerwald.
Ida Pfeiffer